Du willst dein eigenes Brettspiel entwickeln? Vielleicht hast du eine tolle Spielidee im Kopf, vielleicht bist du Spieleautorin oder ein Unternehmen, das ein Spiel zur Markenbindung entwickeln möchte.
Was viele unterschätzen: Zwischen Idee, Umsetzung, Produktion und Vermarktung gibt es ganz schön viele Stolperfallen – vor allem für Einsteigerinnen.
Damit du dein Spiel von Anfang an auf ein solides Fundament stellst, zeigen wir dir hier die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeiden kannst.
1. Unklare Vision, Ziel und Zielgruppe
Viele beginnen mit einer vagen Idee – „ein lustiges Spiel für alle“ – ohne genau zu wissen, was und wen das Spiel eigentlich erreichen soll.
Was fehlt: eine klare Vision, ein konkretes Ziel (z. B. lernen, Spaß auf einer Party, eine schöne Zeit mit der Familie) und vor allem: eine definierte Zielgruppe.
Tipp: Bevor du Mechaniken entwickelst oder Karten zeichnest, beantworte diese Fragen:
- Wer soll das Spiel spielen? (Zielgruppe)
- Aus welchem Grund wird dein Spiel gespielt, welches Ziel will dein Spieler damit erreichen?
- Welche Art von Spielerlebnis willst du schaffen? Was soll das Spiel auslösen (Spannung, Lachen, Lernen)?
2. Produktionskosten unterschätzt
Der häufigste Fehler, den wir bei SPIELTZ sehen: Das Spiel ist mit viel Energie und Herzblut entwickelt, aber nicht produzierbar. Zu viele Spezialteile, zu große Schachtel, Karten in Sondermaßen, zu teuer in der Herstellung – und damit nicht marktfähig. Denn du willst ja nicht draufzahlen beim Verkauf deiner Spiele!
Tipp: Denk von Beginn der Entwicklung gleich die Produktion mit!
- Materialkosten (wie groß sind Spielbrett / Schachtel, Größe und Anzahl der Spielfiguren, Karten, Stanzteile etc.)
- Verpackung & Versand (Größe, Gewicht, Form – schau dir die gängigen Maße und Gewichte für Pakete an)
- Auflage & Herstellungsverfahren
Wenn du dein Brettspiel entwickeln willst, solltest du das wirklich von Anfang an kalkulieren – oder dich beraten lassen.
3. Mechanismus zu komplex
Du kennst einige Spiele von bekannten Verlagen, deren Mechanismus dich fasziniert und denkst, mit ein bisschen Abwandlung kannst du ein ähnliches Spiel erschaffen – nur NOCH cooler?
Das kann gelingen – viele begeisterte Spieler verschätzen sich da aber. Gerade ein komplexer Spielmechanismus ist von erfahrenen Entwicklern über viele Monate und mit Hilfe vieler Testspielrunden austariert. worden. Bei jeder Kleinigkeit, die du abwandelst, verschiebst du das Gleichgewicht im Ablauf – und oft kommt dann ein Spiel raus, das sich nicht wirklich gut spielt. Das zu langweilig ist. Oder so kompliziert, dass keiner durchblickt. Oder viel zu lange dauert. Oder sofort zu Ende ist, weil Spielzüge nicht „aufgehen“ und Spieler handlungsunfähig werden.
Tipp: Beginne mit einfachen Mechaniken. Teste ausgiebig, ob sie wirklich Spaß machen und das gewünschte Spielerlebnis unterstützen. Teste mit verschiedenen Testspielern. Und Achtung: Du musst bei jeder Änderung neu testen!
4. Thema und Spielmechanik passen nicht zusammen – oder nicht zur Zielgruppe
Wenn Thema und Mechanik nicht harmonieren, fühlt sich das Spiel schnell gezwungen an. Und: Nicht jede Mechanik passt zu jeder Zielgruppe!
Tipp: Lass Thema und Mechanik gemeinsam wachsen – sie sollten sich gegenseitig stützen, nicht widersprechen. Und behalte dabei immer deine Zielgruppe im Auge.
5. Zu wenig echte Tests
Viele testen ihr Spiel ausschließlich mit Familie oder Freunden – bist du dir sicher, dass diese immer ehrliche Kritik geben?
So entstehen oft Spiele, die im engeren Kreis gut ankommen, aber im freien Markt nicht funktionieren.
Tipp: Teste früh mit Fremden. Auf Conventions, in Spielegruppen oder Online-Communities. In Testspielrunden, die mit unterschiedlichen Menschen besetzt sind. Und: Höre aktiv zu, nimm alles ernst, was angemerkt wird und arbeite das Feedback Schritt für Schritt ein (nicht alles auf einmal). Teste nach jeder Änderung erneut!
Wichtig: Mache auch Testspielrunden, bei denen du nicht als „Erklärbär“ dabei bist, sondern bei denen die Spieler die Anweisungen aus der Anleitung bekommen.
6. Zu viel auf einmal – weniger ist mehr
Ein häufiger Anfängerfehler: Man hat sooo viele Ideen – alles soll ins erste Spiel rein! Die Story, der Mechanismus, das Material – überall Ideen, und man kann sich nicht entscheiden. Also, am besten: Alles rein.
Nein! Denn dann wird das spiel überfrachtet und unverständlich (und obendrein sprengt es das Budget für die Produktion)
Tipp: Weniger ist mehr. Konzentriere dich auf eine starke Kernidee – und entwickle darum herum dein Spiel.
7. Keine klarer USP (Alleinstellungsmerkmal)
Was macht dein Spiel besonders? Wenn du es nicht in einem Satz erklären kannst, wird es schwer, andere dafür zu begeistern – egal, ob du einen Verlag überzeugen willst oder dein Spiel im Selbstverlag herausbringen und deine Kunden überzeugen möchtest.
Tipp: Arbeite früh an deinem Pitch. Zum Beispiel:
„Ein kooperatives Spiel für Teams, das Kommunikation und Vertrauen fördert – in nur 20 Minuten spielbar.“
8. „Drumherum“ unterschätzt (z.B. Spielregeln & Design)
Klar, in der Testphase gibt es noch keine Anleitung, denn du erklärst den Testern, was sie tun sollen. Und natürlich geht das Testen auch mit selbstgebasteltem Spielbrett und Karten. Aber wenn du das Spiel dann professionell produzieren lassen willst, musst du es layouten / designen und eine verständliche Anleitung texten. Das ist viel Arbeit und erfordert Know-How, das du dir vielleicht erst aneignen musst.
Tipp: Rechne ausreichend Zeit für Spieldesign und Anleitung ein – oder hole dir Unterstützung von Profis.
9. Unrealistische Erwartungen an Marketing und Reichweite
„Wir machen ein Kickstarter und dann läuft das schon.“ Leider nein. Viele unterschätzen, wie viel Know How und Arbeit in Marketing, Reichweite, PR steckt, wenn du dein Spiel selbst vermarkten willst. (Wenn das ein Verlag für dich machen soll, musst du erstmal einen passenden finden – auch an dieser Stelle verschätzen sich viele Entwickler beim Zeitaufwand für die Recherche)
Tipp: Wenn du dein Brettspiel selbst auf den Markt bringen willst, brauchst du:
- einen Marketingplan
- Kanäle zur Zielgruppe (Website, Newsletter, Social Media, Events)
- Werbebudget (z.B. für Ads)
- ggf. Partner*innen für PR, Kooperationspartner
9. Keine Vertriebsstrukturen, unrealistische Kostenschätzung für den Vertrieb
Willst du das Spiel über einen eigenen Onlineshop verkaufen? Oder über Läden, den Großhandel, über Amazon oder ebay?
Alles möglich, aber alles nicht so einfach, und alles mit Kosten verbunden.
Tipp: Erkundige dich in einer frühen Phase über Vertriebsmöglichkeiten. Vielleicht hast du schon Kontakte und kannst Kooperationen entwickeln.
Fazit: Brettspiel entwickeln mit Weitblick
Ein eigenes Brettspiel zu entwickeln ist ein spannender, kreativer, aber auch fordernder Prozess.
Wer die typischen Anfängerfehler kennt, kann sich viel Zeit, Geld und Frust sparen – und hat bessere Chancen, dass aus der Spielidee ein wirklich gutes, spielbares und marktfähiges Produkt wird.
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